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Sonntag, 7. Februar 2016

Finesse aus Portugal - Quinta da Pellada von Alvaro Castro

Aus Interesse und Neugierde bin ich immer wieder auf der Suche nach neuen Weinen. Weine, welche Charakter und Typizität besitzen, zugleich aber elegant und finessenreich sind. Zum Glück durfte auch feststellen, dass es diese praktisch in jedem Weinbaugebiet gibt - mal mehr, mal weniger. Dieses Mal habe ich mit dem Quinta da Pallada 2011 von Alvaro Castro einen Spontankauf aus Portugal getätigt und wurde positiv überrascht. Das Cuvée aus Touriga Nacional, Tinta Roriz (Tempranillo) und Jaen (Mencia) stammt aus dem Dao-Gebiet, wo Alvaro Castro zu den renommiertesten Winzern gehört. Dort herrscht kontinentales Klima, die Reben werden auf rund 500m Höhe in Terrassenform angelegt und stehen auf Granit- und Schieferböden. Das Ergebnis ist ein komplexer Rotwein mit viel Frische und hübscher Terroirnote...




















Der Wein zeigt sich im Glas in dunklem Rubinrot. Im Duft wirkt er erst etwas verschlossen, öffnet sich aber bereits nach wenigen Minuten im grossen Glas und präsentiert sich komplex und voller Frische. Ich vernehme viel rote und dunkle Beeren, etwas Himbeermarmelade und zurückhaltendes, aber delikate Vanille vom Holz. Zunehmend zeigen sich auch Noten nach Lakritze, orientalischen Gewürzen und  etwas Thymian. Im Mund ist er saftig und knackig, die Gerbstoffe sind gut eingebunden und von hoher Qualität. Die Säure ist sehr präsent und sorgt nicht nur für Trinfkluss, sondern auch für viel Frische. Der lange Abgang wird von einer hübschen Sauerkirschnote und einer sehr präsenten Mineralik geprägt.

Was ich hier im Glas habe, ist eine geniale Symbiose aus Kraft und Eleganz!  Dieser Wein macht bereits jetzt schon sehr viel Spass, lädt zum entdecken ein und zeigt bestens, dass es in Portugal auch mit moderatem Alkohol und viel Finesse geht. Der Quinta da Pellada ist für Liebhaber eigenständiger Weine sowie Freunde eleganter Syrahs absolut empfehlenswert. Trinken jetzt bis 2023, erhältlich für 43.- CHF bei Paul Ullrich AG in Basel.

Sonntag, 10. Januar 2016

Ein Aglianico mit vulkanischer Frische - Terra di Lavoro

Ich muss gestehen, dass ich aus Kampanien bisher nicht viel Glas hatte. Obwohl die dort dominierende Rebsorte Aglianico durchaus interessant ist, ergibt sie doch oftmals eher kräftige und teilweise auch etwas "mastige" und eindimensionale Weine. Dass es auch mit Finesse und sortentypischer Würze geht, zeigt der Terra di Lavoro. Die Reben dieser Assemblage aus 80% Aglianico und 20% Piedirosso befinden sich auf ca. 400 Meter Höhe und stehen auf vulkanischen Böden. Der Ausbau findet 12 Monate in neuen Barriques statt und trotzdem ist dieses Gewächs alles andere als ein Blockbuster. Unser Entrecôte mit Honig-Senf-Kruste hat der Terra di Lavoro 2012 jedenfalls bestens begleitet...



















Der Wein fliesst sehr dunkel ins Glas und zeigt einen leicht aufhellenden, Rubinroten Rand. Der Duft wirkt sehr konzentriert nach dunklen Beeren, Kirschen und eleganten Röstnoten. Mit der Zeit gesellen sich würzige Aromen, sowie Noten nach Teer und Himbeeren dazu. Immer wieder halte ich meine Nase ins Glas um die Aromenvielfalt zu erforschen und freue mich mit zunehmender Belüftung immer mehr Komponenten zu entdecken. Am Gaumen ist er sehr kompakt und zeigt nebst reifer Frucht auch Schmelz, eine saftige Säure und animierende Gewürznoten. Die Gerbstoffe wirken noch etwas wild, sind aber bestens integriert und von hoher Qualität. Im langen Abgang kommt dann auch eine tolle Frische und vor allem Mineralik hinzu, was dem Trinkfluss und der Komplexität zu Gute kommt.

Der Terra di Lavoro ist von hoher Qualität und mit Abstand der beste Aglianico den ich bisher im Glas hatte. Er zeigt nicht nur auf, was die Rebsorte alles zu bieten hat, sondern Potential für ein paar Jahre im Keller. Doch trotz aller Finesse und Vielschichtigkeit ist dieser Wein für mich vorwiegend ein Speisebegleiter zu kräftigen Gerichten, welche ich bevorzugt an kühlen Tagen geniesse. Als Solist in guter Gesellschaft oder für Genussmomente auf dem Balkon zum Sonnenuntergang ist er nicht meine erste Wahl. 

Aktuell unbedingt eine Stunde vor dem Genuss karaffieren und zum Entrecôte, deftigen Gulasch oder zu Wildgerichten kredenzen. Trinken 2017 bis 2024, aktuell für rund 44.- CHF bei Paul Ullrich AG in Basel erhältlich.

Dienstag, 8. Dezember 2015

Nebbiolo mit Format - Barbaresco Rabajà Cascina Luisin

Cascina Luisin ist ein Familienbetrieb mit rund 5 ha Rebfläche auf denen Dolcetto, Barbera und Nebbiolo angebaut werden. Nahezu alle Arbeiten im Weinberg werden in Handarbeit erledigt und ausgebaut werden die Weine im grossen Holzfass. Zusammengefasst also pure Tradition und Piemont auf den Punkt gebracht! Besonders viel Spass macht der Top-Barbaresco "Rabajà", denn dieser ist würzig, frisch und trotz seiner Kraft sehr elegant. Ich hatte den 2010er im Glas und der bietet puren Nebbiolo-Genuss für Puristen...
Dieser Barabaresco fliesst sortentypisch mit hellem Rubinrot in Glas. Auch im Duft ist er klassisch und erinnert an rote Kirschen, Johannisbeeren, Veilchen, Rosen, Nelken und etwas Lakritze. Am Gaumen tritt die Frucht nahezu komplett in den Hintergrund und lässt der kräftigen Säure, den hochwertigen aber noch leicht kantigen Gerbstoffen und der straffen Struktur den Vortritt. Trotzdem wirkt dieser Barbaresco allerdings nicht zu urchig und zeigt mit seinen nur 13.5% Vol. auch Finesse und Trinkfluss. Im langen Abgang zeigen sich dann erneut Noten nach Gewürzen, roten Johannisbeeren und getrockneten Rosinen. 

Das ist weder ein Blockbuster, noch ein Gaumenschmeichler - dieser Barbaresco ist ein gradliniger Nebbiolo mit Charakter und zugleich ein toller Essensbegleiter zu Wild und Eintöpfen. Wer ihn jetzt geniessen möchte, sollte ihn ca. eine Stunde vor dem Genuss karaffieren. Trinken 2016 bis 2024, erhältlich für 41.- CHF bei Liechti Weine in Basel. 

Mittwoch, 28. Oktober 2015

Zeitgemässe Tradition – Barolo Bricco Luciani Mauro Molino

Die Tage werden kürzer, die Nächte kühler und buntes Laub deckt Wald und Wiesen ein. Es ist Herbst. Und Herbst ist nicht nur eine wunderschöne Jahreszeit, sondern macht auch richtig Lust auf einen schönen Barolo. Hiervon mag ich die traditionellen Exemplare mit Finesse, Eleganz und Struktur besonders gerne. Jedoch wird Nebbiolo nicht von allen Winzern gleich interpretiert. So hat auch Mauro Molino eine eigene Interpretation dieser Rebsorte und diese macht einen gelungenen Spagat zwischen Tradition und Moderne. Obwohl schon der Basis Barolo viel Freude ins Glas zaubert, zeigt sein Lagen-Barolo „Bricco Luciani" noch mehr Tiefe und Harmonie. Denn trotz Ausbau in Barriques mit rund 30% Neuholzanteil, ist dieser Wein herrlich frisch, saftig und mit der notwendigen Eleganz ausgestattet. Ich hatte den 2011er im Glas, welcher bereits in seiner Jugend glänzte und das Rindergulasch hervorragend begleitete…

Frisch entkorkt, strömt bereits ein feiner Duft nach Himbeeren und Gewürzen aus der Flasche. Lässt man den Wein allerdings noch eine Stunde im Dekanter atmen, so entfaltet er ein vielschichtiges und sortentypisches Bouquet. Zu vernehmen sind Himbeeren, Kirschen, Kräuter, Lebkuchen, Veilchen und etwas Leder. Am Gaumen stehen Frische und Kraft in gelungener Balance und zeigen zugleich Finesse, Struktur und Trinkfluss auf. Auch die 14,5 % Vol. sind kaum zu vernehmen und genauso gut eingebunden wie die reifen Gerbstoffe. Die Säure wirkt tänzerisch frisch und begleitet das Aromenspiel bis weit über den Abgang hinaus. Dieser ist lang und saftig, ja gerade so, dass man den Wein kauen mag, und endet auf frischen Himbeeren und einer leicht herben Gewürznote. 

Obwohl der Holzeinfluss nicht zu dementieren ist, wirkt alles sehr gut eingebunden und niemals überladen oder gar marmeladig. Im Gegenteil, denn hier herrscht tadelloser Trinkfluss! Der Bricco Luciani ist ein richtiger Nebbiolo-Charmeur und am festlichen Tisch sowie zu Wild eine wahre Freude. Geniessen 2016 bis 2025, für 44.50.- bei Paul Ullrich in Basel erhältlich.

Montag, 12. Oktober 2015

Eine Frage des Charakters - Racines von Olivier Pittet

Aus Gamay werden hauptsächlich frische, fruchtige und eher leichte Weine gekeltert. Also Weine, welche bei der grossen Masse nicht zwingend Anklang finden, was ich grundsätzlich sehr schade finde. Dass es auch grossartige Gamay-Crus gibt, wird allerdings von einigen Winzern eindrucksvoll bewiesen. Dazu zählt auch Olivier Pittet aus Fully (VS, Schweiz), welcher mit dem Racines ein wunderbarer Gamay in die Flasche bringt. Die Trauben stammen aus biologisch bewirtschafteten Reben, welche teilweise bis zu 70 Jahre alt sind und auf Kalksteinböden wachsen. Ich hatte den aktuellen Jahrgang 2013 im Glas und sehr viel Spass damit...

Der Wein fliesst in hellem Rubinrot ins Glas. Dort zeigt er ein offenes und einladendes Bouquet nach Erdbeeren, Kirschen, Graphit, Pfeffer und anderen Gewürzen. Schon beim ersten Schluck offenbart sich hinter der verführerischen Frucht eine knackige Säure und eine tolle Mineralik. Die Gerbstoffe wirken jung und wild, sind aber bestens eingebunden. Auch die saftige Frucht drängt sich immer wieder auf und wird durch eine karge Terroirnote jedoch regelrecht in die Schranken gewiesen. Im langen Abgang setzt sich die Frische allerdings durch und so endet ein Schluck auf roten Beeren und einer leicht herben Gewürznote. Ein auf und ab am Gaumen, doch auf hohem Niveau und viel Trinkspass. Dass der Racines ein kräftiger Gamay-Vertreter ist, verraten die knapp 14% Vol. die sich bei erhöhter Trinktemperatur etwas bemerkbar machen. Trotzdem ist das ein toller Wein - für Freunde dieser Sorte genau so wie für Neuentdecker!

Der Racines ist somit ein absoluter Charakterwein zeigt einmal mehr, dass Gamay eine Traube mit vielen Facetten ist und zugleich auch das Terroir gut zum Ausdruck bringt. 

Wer ihn jetzt geniessen möchte, der sollte ihm etwas Zeit im Dekanter zusprechen und ein grosses Glas verwenden. Allerdings traue ich ihm auch noch ein paar Jahre im Keller zu. Unbedingt leicht gekühlt geniessen! Trinken 2016 bis 2021+, für 30.- bei Brancaia erhältlich. 

Dienstag, 11. August 2015

Saint-Joseph "Terres d'Encre" von Georges Vernay

Saint-Joseph gehört nebst Crozes-Hermitage mengenmässig zur bedeutesten Anbauregion an der Nordrhone. Das Gebiet liegt westlich der Rhone und ersteckt sich von Cornas bis Condrieu und liefert hauptsächlich elegante Weine aus Syrah. Weine mit Charakter, frischer Säure und einer beerigen Würze. Syrah, wie ich es mag! Ein Paradebeispiel eines solchen Weines ist der Saint-Joseph "Terres d'Encre" 2013 von Georges Vernay...



 
Der Terres d'Encre glänzt im Glas mit einem kräftigen Rubinrot. Das Bouquet wirkt zurückhaltend, jedoch frisch und saftig. Da vernehme ich rote Beeren, schwarzer Pfeffer, sowie den Duft frischer Rosen und mediterraner Kräuter. Im Mund wirkt er mittelkräftig und gut balanciert, durch die kräftige Säure allerdings auch etwas fordernd. Die Tannine sind geschmeidig und genau so reif wie die würzigen Fruchtnoten. Im langen Abgang sind dann auch mineralische Noten zu vernehmen, welche für einen spannende Tiefe sorgen. 

Ein gelungener Saint-Joseph mit traditionellem Charakter und mit gerade mal nur 12,5% Vol. herrlich frisch! Ein Kaminwein für Liebhaber dieser kühlen Stilistik oder als Begleiter zu leichten Wildspeisen. Aktuell unbedingt dekantieren, trinken jetzt bis 2021. Erhältlich für aktuell 29.- CHF bei Gerstl


Dienstag, 4. August 2015

Spassgarantie aus Limoux - Les Pépieux Plô Roucarels

Im Südwesten des Languedoc liegt die AOC Limoux, welche grundsätzlich für ihre Schaumweine bekannt ist. Doch entstehen dort auch tolle und sortentypische Rotweine, was das Önologenpaar Julia & Julien vom Weingut Plô Roucarels bestens beweist. Und wer denkt, dass es aus dieser Gegend nur alkoholreiche und strukturlose Fruchtbomben gibt, der liegt definitiv falsch. Denn trotz der Fülle und verführerischen Fruchtdichte, bringen die beiden Quereinsteiger frische und strukturvolle Weine in die Flasche. Ein gelungenes Beispiel dafür ist der "Les Pépieux" 2012 welcher aus 70% Carignan und 30% Syrah gekeltert und anschliessend im grossen Holzfass ausgebaut wird....





Der Les Pépieux präsentiert sich im Glas in dunklem Rubinrot mit violetter Mitte. Im Duft ist er herrlich frisch und voller Fruchtigkeit. Hält man die Nase ins Glas, so stellt man sich einen Korb voller dunkler Früchte mit Brombeeren, Heidelbeeren und Cassis vor. Dahinter zeigen sich zudem Aromen nach Pfeffer, Tabak und etwas Zimt. Am Gaumen wird sofort klar: ein Mund voller Wein! Denn mit seinen 14% Vol. macht er dort ordentlich Druck, wirkt aber nie zu fett. Dafür sorgen nicht nur die weichen Gerbstoffe, sondern auch die verspielte Säure und die präzise Struktur. Im Abgang bleibt das Tannin etwas auf der Zunge haften und die Säure packt nochmals gut zu. 
 

Les Pépieux ist einfach zu trinken und trotzdem voller Spannung. Alles ist gut balanciert und mit sortentypischem Charakter ausgestattet. Obwohl er bereits jetzt Spass bereitet, darf man ihm ein paar Jahre im Keller zutrauen. Wer ihn trotzdem bereits entkorken möchte, sollte grosse Gläser verwenden und ihn leicht gekühlt geniessen. 

Ein gehobener Alltags-Spass für kühle Herbstabende, am besten zu Wildgeflügel oder am festlichen Tisch. Trinken jetzt bis 2021, erhältlich für rund 20.- CHF bei Gerstl

Sonntag, 26. Juli 2015

Ein Tessiner im freien Fall - Merlot Rovere Cantina Monti

Das erste Mal kam ich mit den Weinen der Cantina Monti an einem Anlass mit Tessiner Gewächsen in Kontakt. Diese zählten damals zwar nicht zu den elegantesten, dafür zu den eigenständigsten Weinen des Abends und entsprechend erhielten sie meine Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit erhalten bei Sergio Monti und seinem vierköpfigen Team auch die Reben und jede einzelne Traube, denn die Sorgfalt beginnt im Rebberg und zieht sich auch im Keller fort. Dieser ist auf drei Etagen gebaut und jeder Schritt bei der Vinifizierung passiert somit durch die Schwerkraft. So auch beim reinsortigen Merlot Rovere, welcher rund 14 Monate in Barriques reift und die Pumpe lediglich beim Filtrieren bei der Abfüllung zum Einsatz kommt. Das Resultat ist ein authentischer Tropfen Tessin und zugleich ein wunderbarer Essensbegleiter...


Merlot Rovere 2012 - im Glas zeigt er ein dunkles Rubinrot. Das Bouquet riecht einladend nach roten Beeren, Rosen und Pfeffer. Dahinter sind auch Noten von Schokolade, edles Holz, dezente Grüntöne sowie mineralische Komponenten zu vernehmen. Auf der Zunge macht sich das leicht sandige, aber dennoch reife Tannin angenehm bemerkbar. Die Frucht hält sich mit den würzigen Komponenten in Balance und die knackige Säure sorgt für Struktur und Trinkfluss. Im Abgang ist er lang, von mittlerer Komplexität und schönen Gewürznoten geprägt. 

Für mich ist der Merlot Rovere der perfekte Essensbegleiter zur Lasagne oder einem festlichen Braten und macht einen gelungenen Spagat zwischen Leichtigkeit und bekömmlicher Rustikalität. Zwischen französischer Eleganz und südländischer Fülle. Zwischen nördlicher Frische und mediterraner Rasse. Irgendwo zwischen Bordeaux und Bolgheri und zwar genau in Cademario, Malcantone Ticino!





Ich empfehle jetzt eine Flasche zu öffnen und ca. eine Stunde zu dekantieren. Allerdings sollten man sich ein paar weitere Flaschen für einige Jahre in den Keller legen, es lohnt sich! Trinken 2016 bis 2022, erhältlich für rund 35.- CHF bei Paul Ullrich AG in Basel.

Sonntag, 28. Juni 2015

Mini Barolo für jeden Tag - Nebbiolo Perbacco von Vietti

Es ist Freitagabend bei sommerlichen 24 Grad. Optimal, um auf dem Balkon die letzten Sonnenstrahlen einzufangen und die Seele etwas baumeln zu lassen. Aus dem Ofen duftet die selbstgemachte Pizza und verlangt nach einem guten Glas Rotwein zur Begleitung. Obwohl sich bei diesen Temperaturen ein leichter Rotwein anbieten würde, habe ich mich für einen kräftigen 2011er Nebbiolo Perbacco von Vietti entschieden. Ein toller Nebbiolo für jeden Tag mit Barolo-Attitüden und zur Pizza genau richtig...


Der Wein stammt aus der kleinen Parzelle Perbacco und wurde 24 Monate in grossen Eichenfässern ausgebaut. Er fliesst in glänzendem Rubinrot ins Glas und zeigt dort einen sortentypischen Duft nach Kirschen, Brombeeren, Veilchen und Gewürzen. Am Gaumen tritt die Frucht in den Hintergrund und leicht herbe Gerbstoffe, eine pikante Säure und würzige Noten dominieren das Aromabild. Der Abgang fällt etwas kurz aus, zeigt jedoch typische Nebbiolo-Nuancen und somit auch Charakter. Mit zunehmender Belüftung gewinnt der Wein an Komplexität und Ruhe, was ihn zum gehobenen Alltagswein für alle jene macht, welche sich den "echten" Barolo für den Sonntagsbraten aufsparen wollen. Denn trotz den 14,5% Vol. gelingt Vietti beim Nebbiolo Perbacco eine gelungene Symbiose zwischen Kraft und Finesse - tadellose Qualität im Glas! Trinken jetzt bis 2021, für 22.50.- CHF bei Paul Ullrich erhältlich.

Montag, 27. April 2015

Mit der Tendenz zum Klassiker - Bordeaux 2004

Zusammen mit ein paar guten Weinfreunden haben wir am Wochenende einige Bordeaux aus dem Jahre 2004 entkorkt und anschliessend blind und in 2er Appellations-Flights verkostet. Eine (zugegeben leicht verspätete...) "10 years after"-Probe sozusagen, welche durch und durch erfreulich war. Nicht zuletzt auch aufgrund zweier Piratenflaschen die den Genusspegel in die Spitze getrieben haben...

















Pessac-Léognan

Domaine de Chevalier 2004
Leicht trübes Rubinrot im Glas. Offene Nase nach roten Beeren, Gewürzen, etwas laktischen Noten und dezente Reifenoten. Am Gaumen cremig, elegant und trotzdem einer leicht rustikalen Struktur. Mittellanger Abgang, trinken jetzt bis 2022

Chateau Haut-Bailly 2004
Dichtes Rubinrot mit leichtem Wasserrand. Fruchtige und intensive Nase, dahinter etwas Pfeffer und schön eingebundene Holznoten. Auch am Gaumen noch absolut fruchtig, kompakt und mit einer frischen Säure ausgestattet. Ein eleganter und saftiger Wein mit Charakter. Trinken jetzt bis 2026

Margaux

Chateau Margaux 2004 (Pirat)
Helles, kräftiges Rubinrot im Glas. Herrlich frische, fruchtige und zugleich florale Nase. Viel Eleganz, Finesse und Schmelz am Gaumen. Die Gerbstoffe sind butterzart und die Säure wirkt lebendig. Der Wein zeigt im langen Abgang wiederum viel Balance und eine burgundische Eleganz. Grossartiger Wein, trinken jetzt bis 2029

Chateau d'Issan 2004
Dunkles Rubinrot, wirkt somit farblich und in der Nase noch jung. Deutliche Barriquenoten, dahinter saftige Kirschfrucht, etwas Honig und leicht laktische Anklänge. Kompakt am Gaumen mit noch leicht herben Gerbstoffen und einer präsenten Säure. Hatte neben dem Ch. Margaux definitiv einen schweren Stand, trinken 2016 bis 2024

Pauillac

Chateau Grand Puy Lacoste 2004
Wirkt in der Nase ebenfalls noch jung und auch etwas aufgesetzt, allerdings auch komplex und mit saftiger Frucht. Am Gaumen ist er kompakt und fokussiert, die Säure ist frisch und sorgt für Trinkfluss. Ein toller 2004er, der mich vom Stil her allerdings nicht zwingend überzeugt hat. Trinken jetzt bis 2024

Chateau Pichon Longueville Baron 2004
Helles Rubinrot mit leichtem Wasserrand. In der Nase sehr klassisch nach roten Beeren, Waldboden, Speck und Barrique duftend. Am Gaumen ist er wunderbar balanciert, elegant und zeigt etwas rustikalen Tanningerüst. Langes und charmantes Finale, hat Charakter und Klasse. Trinken jetzt bis 2026

St. Estephe

Chateau Calon Segur 2004
Dunkles Rubinrot im Glas. In der Nase sehr viel Paprika und rote Beeren, dahinter laktische Noten sowie etwas Lebkuchen. Am Gaumen dann etwas streng und die leicht rustikalen Gerbstoffe lassen nicht wirklich Trinkfluss aufkommen. Im Abgang, wo erneut die Paprikanoten dominieren, dafür sehr fokussiert und lang. Trinken jetzt bis 2024

Chateau Lafon Rochet 2004
Liegt in hellem Rubinrot im Glas. Im Duft schöne Reifearomen, dunkle Beeren, Gewürze und etwas Rauch. Präsentiert sich im Gaumen elegant und zugleich auch etwas karg. Die Gerbstoffen wirken trocken, doch die Säure ist präsent und der mittellange Abgang balanciert. Kein komplexer Wein, dafür jetzt schön zum Essen. Trinken jetzt bis 2020

St. Julien

Chateau Branaire Ducru 2004
Zeigt ein strahlendes Rubinrot. In der Nase wirkt der Wein sehr offen und zeigt Noten nach roten Beeren und Gewürzen. Saftige Säure, feines Tannin und eine rotbeerige Eleganz am Gaumen. Mittellanges Finale mit absolutem Bordeaux Charakter. Trinken jetzt bis 2022

Chateau Leoville Barton 2004
Sehr dunkles Rubinrot im Glas. Sehr kompakter und intensiver Duft nach dunklen Beeren, Lakritz, Schokolade und Gewürzen. Auch am Gaumen zeigt er viel Volumen und ist trotzdem sehr elegant, voller Struktur und Charakter. Langer und durchaus komplexer Abgang, definitiv der jüngste Wein dieser Runde. Sehr gut gelungen, trinken 2016 bis 2029


Ausklang und Fazit

Nach den tollen Flights wurde (zugegeben meinerseits...) noch ein bisschen Sauternes gefordert. Dieser hat der Gastgeber mit viel Freude aus dem Keller geholt und blind eingeschenkt. Ein grossartiger Sauternes mit viel Eleganz, Tiefe und unglaublicher Frische. Die Auflösung: Chateau d'Yquem 2004 - Chapeau!

Einmal mehr in toller Weinabend mit netten Menschen, köstlichem Essen und vor allem tollen Weinen. Bordeaux 2004 bietet derzeit viel Trinkfreude und zeigt zugleich noch einige Reserven auf. Ein Jahrgang mit der Tendenz zum Klassiker!

Hier geht es zum Beitrag "Bordeaux 2004" von Adrian van Velsen.

Montag, 6. April 2015

Osterdinner 2015 - Gaumenfreude und Geselligkeit

Für die Einen ist Ostern ein festliches und zugleich historisches Ereignis, für die Anderen wiederum ein pures Fest für den Gaumen. Für mich trifft definitiv Letzeres zu und deswegen hab wir in gemütlicher Gesellschaft köstliches Essen und spannende Weine genossen....


Der Auftakt machte ein "falsches Sushi", welches aus Parmaschinken, grünen Spargeln, Paprika und Frischkäse mit Schnittlauch bestand. Die Begleitung dazu übernahm von Winning's Riesling Grainhübel 2013. Ein unglaublich frischer und verspielter Riesling welcher zuerst eine exotische Frucht zeigte und somit an einen Sauvignon Blanc erinnerte. Zunehmend drangen dann Zitrusfrucht, Mineralik und eine animierende Würze durch, welche auch am Gaumen bis über den langen Abgang hinweg für Spannung sorgte. Die Säure ist pikant, aber auch verspielt und die Balance zwischen feinster Rieslingfrucht und Würze war beeindruckend. Und im Vergleich mit den beiden Jahren zuvor, hat man bei von Winning 2013 den Holzeinsatz spürbar reduziert. Dabei haben die Weine keineswegs an Komplexität verloren, dafür einiges mehr an Frische gewonnen - ein genialer trockener Riesling genau nach meinem Geschmack!




Beim Hauptgang haben wir uns auf ein altes Sprichwort verlassen, welches besagt, dass sich einfaches Essen durchaus mit grossen Weinen kombieren lässt. Kurz und knapp: kleiner Aufwand, grosser Genuss! Es gab hausgemachte Spaghetti Carbonara mit gebratenem Speck, getrockneten Tomaten und Safran. Dazu ein 2004er Domaine de Chevalier, welcher sich über den Abend hinweg schön öffnete und am Anfang seiner Trinkphase präsentierte. In der Nase zeigte er schöne Kirsch- und Himbeerfrucht, dahinter dezente Barriquenoten, Röstaromen und leicht laktische Nuancen. Am Gaumen wirkte er harmonisch, elegant und mit gut eingebundenen Gerbstoffen. Weiterhin fruchtig ist er auch im mittellangen Abgang, begleitet von leicht röstigen Aromen. Dieser Domaine ist jetzt bereits schön zu trinken, wird allerdings in den nächsten 4-6 Jahren noch viel Freude bereiten! 



Vor dem Essen haben wir einen 2000er Chateau Poujeaux entkorkt, welche sich erst sehr müde und leblos gezeigt hatte. Es hat sich allerdings gelohnt, die Flasche weg zu stellen und am späten Abend nochmals zu probieren - ein Schlummertrunk deluxe! In der Nase nun offen nach Kirschen, Brombeeren, Teer, Speck und erdigen Noten. Am Gaumen ist es fein und die Tannine sind noch etwas rau, die Säure ebenfalls noch pikant und jugendlich. Im Abgang waren wieder erdige Nuancen sowie Aromen nach Waldboden und Unterholz zu vernehmen. Keine Fruchtbombe und kein moderner Wein, sondern ein klassischer Bordeaux in bester Trinkreife und das zum fairen Preis!





Sonntag, 15. März 2015

Grand Cru vom Ottenberg - Bachtobel Pinot Noir No. 3

Ein Weingut mit Tradition und einer Geschichte welche in das Jahr 1784 zurückreicht und von Hans Ulrich Kesselring, einer der absoluten Wein-Pionieren der Ostschweiz, geprägt ist. Die Rede ist vom Schlossgut Bachtobel, welches nun in achter Generation von Johannes Meier geführt wird. Das Weingut besitzt am Ottenberg eine Monopollage und gilt seit vielen Jahren aus eines der Aushängeschilder der Region, was ihr Pinot Noir No. 3 eindrücklich beweist. Ich hatte neulich den 2011er im Glas…


Korken raus und direkt ins Glas, in welches der Wein Rubinrot und leichtem Wasserrand fliesst. Sortentypisch präsentiert sich die offene Nase nach schwarzen Kirschen, Pfeffer, floralen Noten und etwas Rauch. Am Gaumen wirkt der Wein kompakt, würzig und wird von feinen Gerbstoffen begleitet. Die Säure wirkt noch etwas wild, sorgt allerdings für Trinkfluss und gibt dem Wein einen zugänglichen Charakter.  Sie sorgt auch im langen, leicht herben Abgang für Spannung und zeigt zugleich sein grosszügiges Potential auf.   

Der Pinot Noir No. 3 ist ein schöner Wein mit Tiefe, Charakter und verbindet gekonnt Rustikalität und Eleganz. Er braucht derzeit noch viel Luft und wird in den kommenden Jahren viel Trinkvergnügen bereiten – ein echter Grand Cru vom Thurgauer Ottenberg! 

Trinken 2016 bis 2023, erhätlich für 37.50.- CHF bei Paul Ullrich AG oder den aktuellen Jahrgang direkt beim Schlossgut Bachtobel


Montag, 23. Februar 2015

Viva Nebbiolo - ein toller Abend mit Barolo und co.

Obwohl ich mich in letzter Zeit immer mehr an die Rebsorte Nebbiolo wage, hatte ich am selben Abend noch nie solch wunderbare Weine aus dem Piemont im Glas. Sozusagen eine persönliche Horizonterweiterung mit guten Freunden und köstlichem Essen - somit die perfekte Wohnungseinweihung. Entkorkt wurden vier Weine aus dem tollen Jahr 2004 und einer aus 2005. Obwohl es dazu nicht vieler Worte bedingt, habe ich mir trotzdem ein paar Notizen gemacht...


Angefangen haben wir allerdings nicht mit Italien, sondern einem schönen Rosé Champagner von de Sousa. Dieser zeigte sich herrlich fruchtig, frisch und trotz seiner Bekömmlichkeit durchaus komplex. Direkt im Anschluss haben wir den Travaglini Cattinara 2005 ins Glas gefüllt, welcher eine Ricotta Terrine mit getrockneten Tomaten und gerösteten Pinienkernen und Salat begleitet hat. Der Cattinara ist ein zarter Nebbiolo-Vertreter und präsentierte sich absolut trinkreif, fruchtig und charmant. Auch Säure, Tannine und Fülle stehen im Einklag und somit ist dieser Tropfen ein zuverlässiger Begleiter zu Speisen jeglicher Art. 


Als perfekte Ergänzung folgte der 2004er Söri-Valgrande von Fratteli Grasso. Ein sehr filigraner, blumiger und knackiger Nebbiolo. Jetzt perfekt trinkreif, bekömmlich rotbeerig und selbst als Solist ein wunderbarer Wert. Er zeigt in der Nase Aromen nach Kirschen, roten Johannisbeeren und Veilchen. Auch hier sind Säure und Tannin wunderbar integriert und somit ist grosser Trinkspass garantiert!



Zum Hauptgang, der aus Roastbeef, Steinpilzrisotto, Lauch und glasierten Kirschtomaten bestand, hatten wir zwei Weine parallel im Glas. Der 2004er Bricco Spessa von Fratteli Grasso präsentierte sich einen Hauch rustikaler und kantiger als der Söri-Valgrande, zugleich zeigte er aber auch etwas mehr Reserven auf. Intensive Nase nach Kirschen, Zimt und  Gewürzen. Am Gaumen ist er elegant und maskulin zugleich und gut strukturiert. Die Säure packt ordentlich zu, die Gerbstoffe zeigen Reserven und der Abgang endet würzig lang. Ganz anders der Barolo Ginestra 2004 von Paolo Conterno, welcher im Bouquet viel Tiefe, leicht medizinale Noten sowie Aromen nach roten Beeren, Nelken und etwas Unterholz aufzeigt. Am Gaumen dominiert die Säure, welche dem eleganten Körper den nötigen Biss und Trinkfluss verleiht. Im Abgang ist er lang, elegant und mit leicht herben Gerbstoffen versehen - ein komplexer Wein mit noch vielen Reserven!


Das Highlight des Abends jedoch war der Barolo Monprivato 2004 von Mascarello. Eine zurückhaltende, aber komplexe Nase nach Kirschen,  Gewürzen, Veilchen und etwas Petrol. Enorm elegant am Gaumen und mit geschliffenem Tannin, lebendiger Säure und saftigem Körper ausgestattet. Im Abgang sehr lang, fruchtig und animierend würzig - ein absolut genialer Wein mit viel Charakter!

Zum Schluss haben wir alle Weine nochmals in aller Ruhe nachverkostet und dazu etwas Käse, frisches Nussbrot und selbstgemachter Feigensenf genascht. 




Fazit: ein absolut toller Abend mit spannenden und trinkfreudigen Weinen, netten Menschen und gutem Essen. Ich werde meine Augen nach derart feinen Nebbiolo Tropfen jedenfalls offen halten und freue mich bereits auf die nächste Runde. Viva Nebbiolo!

Hier geht es zum Beitrag von Adrian van Velsen (vvwine).